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Inklusion im Museum - wie gelingt Geschichtsvermittlung ohne Barrieren?

Kompliziertes wird anschaulich
Inszenierungen können komplizierte historische Sachverhalte anschaulich machen - wie hier die Inflation von 1923

Nach der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention durch die Bundesregierung im Jahr 2009 sind auch Museen als außerschulische Lernorte zu Inklusion verpflichtet.

Bereits 1999 hat sich die Fachgruppe Museumspädagogik des Bundesmuseumsverbandes zu Inklusion verpflichtet.

 

Viele Museen haben daraufhin aufwendige Umbauarbeiten vorgenommen, um Rampen, breitere, leichter zu öffnende Türen und Aufzüge einzubauen. Für viele Museen, die in historischen und denkmalgeschützten Gebäuden untergebracht sind, bedeutet die Umsetzung der Inklusion daher große finanzielle, personelle und nicht zuletzt langwierige architektonische Probleme. Die Umsetzung ist damit häufig trotz gegenteiligen Willens nicht möglich. 

 

Viele Formen der Inklusion im Museum sind einfach

Fühlen und Ausprobieren machen Geschichte erlebbar
Hands-On-Stadtionen laden zum Ausprobieren und sensitiven Erfahren ein

Doch vernachlässigt die Konzentration auf die architektonische Barrierefreiheit, dass deutlich mehr Schranken bestehen, die oftmals auch kleinere Museen mit kleinen Änderungen leicht abgebaut werden könnten.

 

Besonders leicht umzusetzen, sind angepasste Didaktiktexte, also die konsequente Selbstverpflichtung zu geringen Textmengen, Alltagssprache und hoher Lesbarkeit

 

Auch das Zwei-Sinne-Prinzip lässt sich mit Hands-On-Stationen und Inszenierungen einfach bei der Ausstellungskonzeption einplanen. Sie bieten neue sensitive Zugangsmöglichkeiten, die von allen Besuchern gern angenommen und in der Evaluation besonders gelobt werden.

 

Zielgruppenorientierte Führungen können das Ausstellungskonzept einfach ergänzen und die individuellen Anforderungen berücksichtigen.

 

Wer dauerhaft Angebote bereit stellen möchte, kann den Audioguide mit verschiedenen Führungen ausstatten. So kann darin eine Spur in leichter Sprache oder mit Audiodeskription bereitgestellt werden. Wer zeitlich nicht selbst dazu kommt, kann die Konzeptarbeit an freiberufliche Historiker fremd vergeben.  

 

Auch der Vitrinenbestand lässt sich durch unterfahrbare Vitrinen ergänzen und langfristig auf diese umstellen. 

 

Essentiell für die Umsetzung der Inklusion ist zuletzt die Sensibilisierungs-und Kommunikationsschulung des Aufsichtspersonals. Sie stehen im direkten Besucherkontakt und informieren diesen über die Angebote des Museums. Damit übernehmen sie eine zentrale Funktion in dem Unternehmen, das Museum als den offenen Ort erfahrbar zu machen, der er ist. 

 

Inklusive Geschichtsvermittlung als Herausforderung

Gerade Geschichtsausstellungen bleiben jedoch eine Herausforderung. Sie setzen häufig Wissen voraus, greifen auf Epochen- und  Fachbegriffe sowie historische Bezeichnungen zurück und sind so leider häufig kulturell exkludierend. Sie erfordern daher besondere Vermittlungshilfen und ein hohes Maß an Selbstreflexion und Sensibilität.

Führungen helfen beim Verstehen
Zielgruppenorientierte Führungen können auf individuelle Anforderungen eingehen

Ein gelungenes Beispiel für kulturelle Inklusion ist die Sonderausstellung des Stadtmuseums Rastatt "Es lebe das Neue!"? Rastatt in der Weimarer Republik - Ein Stück Demokratiegeschichte. Eine verständliche Sprache, kurze klar gegliederte Texte, moderne Medien und viele Hands-On-Stationen garantieren die leichte Zugänglichkeit der Inhalte.

 

Das kleine Museumsteam ging aktiv mit seinem speziellen Führungsangebot vor Ausstellungsbeginn auf die Leiter der örtlichen Integrationssprachkurse zu.

 

Inhaltlicher Schwerpunkt der Führungen waren die demokratischen und freiheitsrechtlichen Errungenschaften der Weimarer Republik, ihrer Symbole und die gesellschaftlichen, sozialen, kulturellen, arbeitsrechtlichen Auswirkungen der ersten deutschen Demokratie.

Was ist wirklich wichtig?
Reduktion und Konzentration auf die Quintessenz der Ausstellung

Historische Hintergründe wurden didaktisch reduziert auf den Punkt gebracht und die Führung auf die Quintessenz der Ausstellung hin gebündelt. In diesem konkreten Fall war zu zeigen, was wir der Demokratie zu verdanken haben, nämlich Freiheit.

 

Die Resonanz war sehr gut. Viele Kurse kamen, hatten in ihrem Unterricht auf den Museumsbesuch bereits hingearbeitet und nach zukünftigen Angeboten gefragt. Viele inhaltliche Nachfragen, Vertiefungswünsche und eine große Begeisterung begleiteten die Führungen.